Bye Bye Online – Kleiderei

Und dann kommt der Tag, an dem steht fest, die nächste Nummer, die du in dein Handy tippst, ist die des Insolvenzverwalters.
Dieser Tag war im April 2018.
Es sollte eigentlich nur eine Pause zum Luftschnappen sein. Die letzten Einnahmen sollten die Ausgaben decken. Aber es ging sich nicht aus.

Seit einiger Zeit zerbrechen wir uns die Köpfe darüber, wie man solch eine Nachricht in die Öffentlichkeit bringt.
Zu uns passt es nicht, lange über etwas, was die Allgemeinheit mit dem Wahnsinns-Wort Scheitern abstempelt, zu sprechen.
Fast jedes Gespräch darüber ist frustrierend. Es kommen Sätze wie: „Dann war wohl nicht genug Nachfrage da.“ Oder: „In Deutschland sollte man lernen, dass Scheitern zum Gründen dazu gehört.“

So einfach ist es nicht.
Es ist furchtbar.

Wir wollten selbst Kleider mieten, und weil man das zu dem Zeitpunkt nicht konnte, begannen wir 2012 Kleider zu vermieten.
Mehr ein Konzept, als ein Business. Ein Gegenentwurf zu der vom Fast-Fashion-Prinzip auf die Spitze getriebenen Wegwerfgesellschaft. Wir fragten uns: kann Zugang statt Besitz funktionieren? Und ist das der Schlüssel zu modernem, nachhaltigem Modekonsum – der ohne Verzicht auf Abwechslung trotzdem Ressourcen schont?

Es war nicht nur die Presse, die uns als Revolutionärinnen bezeichnete – unsere Vision entsprach, eben auch weil sie ihn hinterfragte, dem Zeitgeist.
Die Idee griff um sich; plötzlich sprachen wir vor Politikern, saßen auf Podien zur Zukunft des Konsums, gaben ein Interview nach dem nächsten und die Zahl der Menschen, die unseren Weg verfolgte und sich von der Idee des Leihen statt Kaufens inspirieren ließ, explodierte regelrecht.
Parallel zu unserer eigenen Pionierarbeit bauten wir zusammen mit vielen großartigen, hochengagierten Kleidi-Girls binnen kürzester Zeit dann doch ein Business auf, das Pakete an tausende Kundinnen deutschlandweit schickte.

Darum war es in unserem Fall nicht zu wenig Nachfrage, sondern eher zu viel – zumindest im Verhältnis zur Zeit. Es fühlte sich irgendwann an, als hätte man an einem Fuß einen zu kleinen und am anderen Fuß einen zu großen Schuh.

Und so einfach ist es letztendlich, ein StartUp in die Knie zu zwingen – egal, wie gut die Idee ist!
Wir könnten hier jetzt noch eine Millionen Learnings anführen: Die Benachteiligung weiblicher Gründerinnen. Die Herausforderung von Kapitalbeschaffung ohne Benchmarks. Zu hoher Preisdruck in der gesamten Mode-Industrie (etwas, wogegen natürlich auch ALLE unserer Label-Gründer-Kollegen tagtäglich zu kämpfen haben.)

Aber eigentlich wollten wir euch nur sagen: Wir sind okay!
Das Jahr war hart, so ist es, aber jetzt mit aller Kraft zurück in die Zukunft, denn, und das stimmt, es geht immer weiter.

Pola wird als Managerin der Burggasse 24 in Wien ihrer Vintage-Liebe treu bleiben und plant parallel die Künstler-Plattform postskripta.com

Thekla berät und referiert zum Thema Circular-Fashion-Business und baut im Zuge dessen einen neuen, nachhaltigen Online-Mode-Miet-Service auf: Stay-Awhile.de

Lena Schröder wird weiterhin die Kleiderei offline betreiben und bastelt neben ihrem Kölner Store an weiteren Filialen deutschlandweit, um Vintage und nachhaltige Mode an Mitglieder zu verleihen.

Wir bedanken uns endlos bei unserem großartigen Team, bei allen Unterstützern, beieinander und vor allem bei unseren bezaubernden Kundinnen. Danke.
Schaut bei unseren neuen Projekten vorbei, besucht die offline Kleiderei in Köln und meldet euch bei allen Fragen jederzeit gern bei uns — hier oder per Mail

Love forever & sharing is caring

Pola & Thekla

Kleiderei Köln
Mi bis Sa: 12 – 19 Uhr

Venloer Str. 459
50825 Köln

Kleiderei Freiburg
Mi bis Sa: 12 – 18 Uhr

Klarastraße 80
79106 Freiburg